Brigitta

 

Meine Leben mit Fibro

Hab mal als quirlige Ding angefangen.
Super aktiv.
Allerdings auffällig sensibel.
Ich mochte Hautkontakt nicht wirklich. Mein Gehör war mehr als gut. Unter meinen Füßen konnte ich spüren wer den Raum betrat. Ganz extrem reagierte ich auf Gerüche.
Allerdings litt ich an schwerer Migräne.

Mit der Pubertät ging es mit schweren Unterleibskrämpfen los.
Als Sportlerin musste ich viele Verletzungen wegstecken. Seltsamerweise spürte ich diese Schmerzen kaum. In dieser Zeit zeigte sich immer mehr, dass ich über die Maße belastbar war. Und das bei einem Gewicht um 43 Kilo.
Durch die Schule bin ich mit links gerutscht.
Im Nachhinein ist mir klar, das die Krankheit da schon brodelte, da ich damals schon diesen „Ich zieh mich mal zurück“ Effekt zelebrierte.
Mit dem ersten Kind lief ich richtig auf Hochtouren.

Mrs. Perfekt…
Arbeit, Haushalt, etc…mit manchmal nur 2 Stunden Schlaf.
Selbst mit 7 Kindern habe ich so nebenbei die sauberste Wohnung, gepflegtesten Kinder und nahrhaftesten Menüs gehabt. Neben Job, kalte Platten mal schnell, und Partner Bespaßung

In diesen Jahren setzten Fieberanfälle bei mir ein.40 Grad binnen Minuten. Am nächsten Tag war alles gut. Die Ärzte fanden nix.

Klar hab ich Schindluder mit meinem Körper betrieben. Andere waren krank, ich hatte Aspirin
Dann kam es immer häufiger vor das ich Hüft und Rückenschmerzen hatte. Keine sichere Diagnose, also schob man es auf die Kinderanzahl.
So etwa ab 35 fing es an, das ich Morgens aufstand, und das Gefühl hatte ich hätte Blei am Körper hängen.
Kein Arzt half mir.
„Das ist der Stress“Spannen sie mal aus . Das waren die Worte der Ärzte.
Also riss ich mich zusammen.
Mit 2004, ich war 43 zogen wir nach Hameln.
Da nahm das Elend seinen Lauf.

Ich merkte das mein Mann eine Geliebte hatte, meine Schwiegermutter war schwer krebskrank, und meine Freunde weit weg.
Meine Reaktion war mich mit Arbeit zu zu nageln, und Schmerzen zu ignorieren.
Mein Mann zog 2006 aus. Das klassische Trennungsgedöns Meine Kinder waren zum Teil schon aus dem Haus.
Eines Morgens stand ich auf, und mein Fuß sackte unter mir weg Krankenhaus…Bänderriss, Fußbruch, Schiene Ab zur Arbeit.
Orthopäde am nächsten Tag sieht mich an und fragt mich ob ich schon immer Tremor in den Finger gehabt hätte Åååh?

Er hat die Tendenziös abgedrückt  Bingo.
Seit dem hat die Krankheit einen Namen.
FIBROMYALGIE
seit dem hörte ich egal was ich hatte .Das ist von der Fibro
Mein Problem war lange diese Krankheit anzunehmen.
Immer häufiger war ich Bewegungsunfähig.
Tassen fliegen mir aus der Hand.
Geräusche stören mich.

Dann kam der Tag an dem mein Bein ohne Grund in der Hüfte brach.
Man hat eine manifestierte Osteoporose nicht erkannt, da man alles auf Fibro schob.
Das Gleiche gilt für meine Schuppenflechte Arthritis.
Jeder der weiß, dass Fibro das Schmerz empfinden vervielfacht, ahnt was ich für Schmerzen habe/hatte
Ich bin heute 54, und lebe wie folgt:
An Guten und warmen Tagen fahre ich stundenlang Rad.
Freunde habe ich kaum noch (was mich nicht stört), weil die meisten Menschen nicht verstehen, dass eine schlanke jung wirkende Frau eine unsichtbare Krankheit haben kann.
Manche Tage kann ich kaum laufen.

Manchmal gehe ich in die Disco (tanze für mein Leben gern). Es kann dort von einer Sekunde zur anderen geschehen, dass ich SOFORT Nachhause will, da ich Hör technisch überfordert bin, was mich nervös macht.
Menschenmengen kommen für mich kaum noch in Frage.
Arbeiten ist nicht mehr möglich, weil ich jetzt nicht weiß, wie es mir in 10 Minuten geht.
Untergeordnet habe ich mich der Krankheit nicht, aber mich mit ihr arrangiert
Jeden Morgen frage ich meinen Körper wie es uns beiden geht, und dann entscheiden wir wie wir den Tag verbringen.
Das einzige Problem sind die Ärzte die einen wissen nix über die Krankheit.
Andere schieben alles auf die Krankheit.
Ganz toll sind die, die alles auf psychisch schieben.

Ich das quirlige Ding bin ruhig geworden.
Nicht wegen der Krankheit. Sondern wegen der Menschen, die es nicht verstehen. Und wegen des Gesundheitssystems durch dessen Raster wir fallen.

Hab gelernt „Nein“ zu sagen, was der wichtigste Schritt für uns ist.
Zuzugeben, dass dies und das förmlich über Nacht nicht mehr geht ist schwer.
Genauso wie das ändern des eigenen Lebens.
Meinen engen Freunden habe ich beigebracht mich nicht zu bemitleiden, sondern auch mal über mich zu lachen.
Verabredungen beginnen mit Wenn du gut drauf bist
Das schwierigste Thema .Sex… ist für mich unwichtig geworden.
Ich hasse Berührungen.
Früher war das Anders.
Seltsam . Als Kind und junger Mensch empfand ich Hautkontakt intensiv, und Stöße, Schläge, Brüche spürte ich kaum. Heute ist es genau umgekehrt.
LG Brigitta

Danke für deinen Bericht
Wünsche dir auch weiter hin ganz viel Kraft
LG Sonja

Brigittas Leben mit der Fibro

4 Gedanken zu „Brigittas Leben mit der Fibro

  • 1. Dezember 2015 um 12:57
    Permalink

    Liebe Sonja, jede Zeile kann ich dir nachempfinden. Gerade, als ich dachte, ich hätte einen Arzt gefunden, der mich ernst nimmt, zerpatzte dieses Gefühl wie eine Seifenblase. Nun steh ich da und weiß nicht mehr weiter. Ich wünsch dir viel Kraft, Mut und das dir immer jemand zur Seite steht <3

    Antworten
    • 1. Dezember 2015 um 13:24
      Permalink

      Hallo Bine
      Das kenne ich ,dachte auch hab einen Arzt der hinter mir steht als ich dann aber gelesen habe was er für meinen Antrag für Rente geschrieben hat war ich fertig mit ihm
      jetzt habe ich eine super Ärztin die komplett hinter mir und auch hinter meiner Tochter steht .
      Ich habe das Glück die gesamte Familie hat sich mit der Krankheit auseinander gesetzt und sind immer für mich da.
      Auch eine ganz liebe Person die ich in der Reha kennen lernen durfte ist mir zur besten Freundin geworden
      Hoffe für dich das du bald einen guten Arzt findest und das auch du Menschen um dich hast die Dich und die Krankheit verstehen
      LG Sonja <3

      Antworten
    • 29. November 2015 um 16:34
      Permalink

      Ja meine Liebe die Krankheit richtet viel mit uns an ,was man uns aber meist nicht an sieht

      Antworten

Deine Meinung interessiert mich LG Sonja

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